Das Dilemma im Ethik-Unterricht
KOOPERATION MIT DER UNIVERSITÄT KONSTANZ:
Stärkung moralischer und demokratischer Fähigkeiten mit der „Konstanzer Methode der Dilemma-Diskussion (KMDD)“
Seit Dezember 2007 haben Lehrerinnen und Lehrer unserer Schule mit ihren Klassen und Kursen in allen Fächern die Möglichkeit, zwei Mitarbeiter der Universität Konstanz, Herrn Scharlipp und Herrn Hemmerling, in den Unterricht einzuladen und auf besondere Weise in von ihnen durchgeführten Diskussionen für den Alltag und das Leben zu lernen.
Herr Scharlipp erläutert das Projekt:
„Die Förderung der moralischen Urteils- und Diskursfähigkeit steht im Mittelpunkt dieser Bildungs- und Präventionsmethode. Kennzeichnend für die von Prof. Dr. Georg Lind (Universität Konstanz) entwickelte KMDD ist, dass „Moral“ hier als eine Schlüsselfähigkeit verstanden wird, die lehr- und lernbar ist.
Sie ermöglicht es den Schülerinnen und Schülern schrittweise, stimmig in Bezug auf eigene moralische Werthaltungen und differenziert in Bezug auf eine gegebene Lebenssituation zu urteilen und zu handeln. Die fachübergreifende Kompetenz, auch in Belastungssituationen widerstreitende moralische Anforderungen integrieren zu können, ist – so die Forschung – eine Voraussetzung für die (freiwillige) Einhaltung von Normen, für das Hilfeverhalten, für das zügige Entscheiden in komplexen Alltagssituationen und sogar für das Lernverhalten selbst.
Den Schülerinnen und Schülern wird anhand kurzer moralischer Dilemma-Geschichten in einem geschickt strukturierten und spannenden Ablauf moralisch-demokratisches Lernen in Gruppenprozessen ermöglicht. Die Dilemma-Stunden haben sich als sehr effektiv erwiesen und machen den Schülerinnen und Schülern viel Spaß.“
In den letzten beiden Jahren hat es eine Reihe von Unterrichtsbesuchen der beiden erfahrenen KMDD-Lehrer, die von Prof. Lind zertifiziert wurden und mit ihm in verschiedenen wissenschaftlichen Projekten zusammenarbeiten, an unserer Schule gegeben. Möglich gemacht wurde dies u.a. auch durch finanzielle Unterstützung des Fördervereins.
Die Schülerinnen und Schüler setzen sich stets ernsthaft mit den angebotenen Dilemma-Geschichten auseinander, stellen ihre Sicht der Dinge dar, achten sehr genau auf die Argumentation der anderen und überprüfen oder finden ihr eigenes Urteil. Die Diskussionen folgen strengen Regeln der Kommunikation, so dass jeder gehört wird und sich ernst genommen fühlt. Die Doppelstunden zeichnen sich durch eine entspannte, aber auch spannende Atmosphäre aus. Dass dieser „Unterricht“ von Außenstehenden angeboten wird und nicht fachgebunden ist, macht ihn zusätzlich interessant und hebt ihn aus dem Schulalltag heraus.
Auch wenn moralische Bildung nicht messbar erscheint, ist diese Form des Lernens besonders wertvoll, weil sie Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler ausbildet und stärkt, ohne die ein friedliches, soziales und zukunftsorientiertes Zusammenleben in der Gesellschaft nicht möglich ist (beispielsweise Empathie, Entscheidungskompetenz, Kommunikationsfähigkeit, Urteilsvermögen u.v.m.).
Dieses Projekt ist eine Bereicherung unserer schulischen Arbeit und ein besonderer Baustein im Lernangebot für unsere Schülerinnen und Schüler auf ihrem Weg zum Erwachsensein, den wir auch weiterhin erfolgreich einsetzen möchten.
Ch. Teske
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