Theo Bergmann

"Dann fangen wir von vorne an..." Ein Zeitzeuge berichtet

21.03.2011, 08:20 Uhr, ein Montagmorgen – Projekttag des Robert Blum Gymnasium in der internationalen Woche gegen Rassismus.

Wir betreten den Raum und erblicken einen freundlich aussehenden älteren Herrn. Sein Name ist Theodor Bergmann. Er schaut uns lächelnd an und wirkt auf Anhieb unglaublich sympathisch. Nach und nach trifft der Rest des Kurses ein. Alle sitzen und warten ungeduldig. auf den Beginn der Stunde. Mit einer kurzen Ansprache eröffnen Frau Gatterer und Herr Schäfer den Projekttag und stellen Herrn Bergmann kurz vor. Im Hintergrund beobachtet Herr Bergmann neugierig die Gesichter der Schüler. Dann wird der Raum verdunkelt und der Film „Dann fangen wir von vorne an – (Über)Leben eines kritischen Kommunisten im 20. Jahrhundert“ beginnt. Dieser Film beschreibt den interessanten Lebenslauf von Theodor Bergmann.

Er erblickte am 07.03.1916, als das siebte von acht Kindern, das Licht der Welt. Schon in früher Jugend wurde er von seinen älteren Brüdern politisch beeinflusst. Sie waren politisch engagiert und lehrten ihn, sich seine eigene Meinung in Hinsicht auf die Politik zu bilden.

Seine drei älteren Brüder waren bei der SPD und seine drei jüngeren waren bei der KPD aktiv. 1933 verließ er auf den Rat seiner Eltern das Land, denn diese ahnten die gewaltsamen Übergriffe des Nazi-Regimes und emigrierte nach Palästina. 1934 kamen auch seine Eltern und seine jüngere Schwester nach Jerusalem. In den darauffolgenden Jahren bereiste Theodor Bergmann die Tschechoslowakische Republik, studierte Agrarwissenschaften und ging nach Schweden. 1946 kehrte er in das vom Krieg zerstörte Berlin zurück. Seit diesem Zeitpunkt arbeitet er als Journalist und später als Professor an der Universität Hohenheim. Bis heute bleibt er sehr aktiv in der politischen „Szene“. Er ist Mitglied der Partei „ Die Linke“ und bezeichnet sich selbst als kritischen Kommunisten.

Nach dem informativen Film leiteten wir eine Frage-Antwort-Runde ein, die sich dann zu einer kleinen Diskussionsrunde entwickelte. Man könnte meinen, dass hier zwei komplett verschiedene Welten aufeinander prallten, aber das Gegenteil war der Fall. Herr Bergmann ist ein zeitbewusster moderner Mensch, der sehr gut auf andere eingeht. Diese Eigenschaften machten die Diskussionsrunde zu einem angenehmen Zusammentreffen verschiedener Standpunkte und regten uns zum Nachdenken an. Wie schon Platon sagte: „Die Redekunst ist die Kunst des Überredens.“ Seine Rhetorik brachte alle dazu, aufmerksam seinen Worten zu folgen. Letztendlich ist Herr Bergmann ein unglaublich beeindruckender Mensch.

Seine Lebenserfahrung, seine Art, das Leben so zu nehmen, wie es ist, seine positive Einstellung, immer nach vorn zu schauen und seine immense Selbstdisziplin inspirieren und motivieren, selbst die größten Dinge in Angriff zu nehmen ohne die Angst, zu scheitern.

In wenigen Stunden hat er es geschafft, uns in seinen Bann zu reißen und uns an seiner Geschichte teilhaben zu lassen.

Der Tag mit Theodor Bergmann war erkenntnis- und aufschlussreich. Ich glaube, alle werden mir zustimmen, wenn ich sage, dass man einen solchen Tag mit Herrn Bergmann wiederholen sollte.

Madeleine Krösel



Projektorganisation: Robert Blum Gymnasium


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