Praktikum Soziales Lernen

in Klasse 8

Das „Soziale Lernen“ in dieser Form erweitert die Lebenswelt unserer Schülerinnen und Schüler und fördert ihre Mobilität.
In Kooperation mit Betrieben, Vereinen, Initiativen in ganz Berlin trainieren sie Soziale Fertigkeiten und bauen Soziale Kompetenz auf innerhalb aktueller Problemfelder, die unsere Gesellschaft bewegen (z. B. Armut in Deutschland). So werden sie sensibel für die Fragen unserer Zeit, bauen Verständnis/Empathie auf für Betroffene und setzen sich für sie ein.

Durch ihre Arbeit verändern und verbessern sie die Situation an dem Platz, an dem sie im Moment des Praktikums stehen. Dieses Erlebnis und die Begegnung mit Aktiven, die freiwillig Woche für Woche in unendlicher Geduld und Nächstenliebe gegen Unrecht anarbeiten, wirken noch lange nach.

Mit unserem PSL-Projekt möchten wir dazu beitragen, dass unsere Schülerinnen und Schüler ihr Leben aktiv gestalten, ihre persönliche Aufgabe im Leben annehmen und sich bewusst in eine Kultur des Miteinanders einbringen.

Schülerinnen 8a (Lisa, Hatice, Nursena) mit den Beauftragten des kürzlich eröffneten Ehrenamtsbüros von Tempelhof-Schöneberg im Rathaus Schöneberg, Herrn Enno Skowronnek (Chef) und Frau Christine Fidancan

 „Freiwillig. Etwas bewegen“(EJF 2011) – Europäisches Jahr der Freiwilligentätigkeit 2011

Rund 100 Millionen Europäerinnen und Europäer setzen Zeit und Wissen ein, um sich über private und berufliche Belange hinaus aktiv am Gemeinwesen zu beteiligen. Mit dem Aktionsjahr der Freiwilligentätigkeit will die Europäische Union dieses Engagement in den Vordergrund rücken und unter dem Motto – Freiwillig. Etwas bewegen“ – mehr Menschen zum Mitmachen anstiften. Während des PSL im Jahre 2011 nimmt unsere Schule an dieser Initiative teil und diskutiert mit den Schülern die Tragweite dieses Themas.

Bruder Florian u. Devrim (8a) in der Suppenküche der Franziskaner in Pankow

Bereits im vergangenen Schuljahr leisteten Lehrkräfte und PraktikantInnen gemeinsam Freiwilligeneinsätze in Ausgabestellen für Lebensmittel an Bedürftige. Sie sortierten dort die gespendeten Lebensmittel, besonders Obst und Gemüse, füllten Waschmittel ab in kleinere Portionen, sortierten Kleiderspenden und hatten Kontakt zu anderen Freiwilligen und den Betroffenen.

Das erste und einzige Ehrenamtsbüro in Tempelhof-Schöneberg wurde Ende des vorigen Jahres eröffnet. Damit reagierte der Bezirk konsequent auf die wachsenden Anforderungen an das bürgerschaftliche Engagement und den demografischen Wandel.

Teerunde im Rathaus Schöneberg

Die Beauftragten, Herr Enno Skowronnek und Frau Christine Fidancan, empfingen Anfang Mai 2011 Schülerinnen der Klasse 8a zu einem Informationsbesuch über die Einrichtung und ihre Aufgaben.

Während des PSL durften Hatice, Lisa, Nursena und Rabia diese Einrichtung im Rathaus besuchen. Die Aufregung unserer Schülerinnen legte sich schnell im Gespräch bei einer Tasse Tee in herzlicher und fröhlicher Atmosphäre. Begeistert gaben sie später ihr neues Wissen an ihre MitschülerInnen weiter.

Zu ihrem Erstaunen erfuhren sie, dass es Frauen erst ab 1920 erlaubt ist, Ämter zu übernehmen. Die Ehre eines Amtes wurde früher lediglich Männern mit Wahlrecht zugestanden. Heute tun überwiegend Frauen freiwilligen Dienst für die Gemeinschaft. Ein Ehrenamt auszuüben heißt, freiwillig und mit Freude, ohne finanzielle Vergütung im Rahmen einer Organisation zu arbeiten, es bewirkt eine „gute Tat“.

Das Ehrenamtsbüro erteilte allgemeine Informationen zum Freiwilligendienst, z. B. zum Versicherungsschutz, gab einen Überblick zu den Einsatzmöglichkeiten und stellte Hilfe in Aussicht bei der Suche nach passenden Einsatzfeldern. Hier wird man von Fachleuten beraten. So kann man sich in fast allen Bereichen der Gesellschaft engagieren: in sozialen Einrichtungen, im Umwelt-, Tier- und Naturschutz, im Sportverein oder in der Politik. In Zeiten knapper Kassen könne der Staat allein die anfallenden Aufgaben nicht mehr bewältigen. Bürgerschaftliches Engagement sei dringend erforderlich, um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden.

Einsatz bei “LAIB und SEELE”

Während des Praktikums „Soziales Lernen“ (PSL) arbeiteten Lehrkräfte und die Schülerinnen sowie Schüler der 8. Klassen freiwillig u. a. bei den Ausgabestellen für Lebensmittel an Bedürftige, bei der Aktion „LAIB und SEELE“, verantwortet von der „Berliner Tafel“, den Kirchen und dem Berliner Sender “rbb”. Sie waren tätig in den Bezirken Charlottenburg, Reinickendorf, Tempelhof und Wedding.  Hier lernten sie während dieser Arbeit Freiwillige jeden Alters kennen, die uneigennützig und mit viel Phantasie, Woche für Woche zuverlässig ihren Dienst für die Armen in unserer Stadt tun.

Frau Sabine Werth, die Gründerin der "Berliner Tafel" bei unserem Info-Besuch

An den Ausgabetagen hatten sie Kontakt mit den „Kunden“, wie die Bedürftigen genannt werden. Diese erhalten in ihrem Postleitbezirk einmal in der Woche Nahrungsmittel für einen symbolischen Euro. Das so gesparte Geld von der Rente oder Sozialhilfe kann dann für dringend benötigte Schuhe oder Medikamente ausgegeben werden.

Es entstand eine lebendige Beziehung mit den Menschen vor Ort. Einige Schüler gehen weiterhin nach dem Unterricht dorthin. Freiwillig, um etwas zu bewegen.

Waschpulver wird in kleine Portionen eingeteilt

Was bewirkt die Berliner Tafel?

Als vor 18 Jahren Armut und Obdachlosigkeit in Berlin sichtbarer wurden, übertrug eine Gruppe um die Unternehmerin Sabine Werth das Konzept von New York City Harvest nach Deutschland und gründete die „Berliner Tafel“.

„Das Prinzip ist einfach. Es werden Lebensmittel dort abgeholt, wo sie übrig sind (Supermärkte), und dorthin gebracht, wo sie gebraucht werden (zu den Bedürftigen, zu sozialen Einrichtungen).“ Zitat: nach Berliner Tafel

Heute werden 650 Tonnen Lebensmittel monatlich an 300 Einrichtungen verteilt. Zusätzlich versorgt die „Tafel“ mit ihrer Aktion „LAIB und SEELE“ in 45 Ausgabestellen ca. 45 000 Menschen, die als arm gelten, d. h., sie haben nachweislich als Einzelperson nicht mehr als 900 Euro zur Verfügung.

Insgesamt versorgt die „Berliner Tafel“ monatlich 125 000 Menschen, ein Drittel davon sind Kinder und Jugendliche.

Wir danken der „Berliner Tafel“ und der Aktion „LAIB und SEELE“ für die Kooperation mit unserer Schule, für die lehrreiche Einführung in ihr Arbeitsfeld und die freundliche Aufnahme in den Kreis der Freiwilligen.

PSL-Einsatz bei LAIB und SEELE in Wedding


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