Jährlich in Klasse 8

Praktikum Soziales Lernen

Das Praktikum „Soziales Lernen“ (PSL) nach unserem Schulprogramm ist einmalig. Es wurde an dieser Schule erdacht und entwickelt. Seit dem Schuljahr 2007/08 wird es regelmäßig und obligatorisch für alle Schülerinnen und Schüler der 8. Klassenstufe durchgeführt.

Praktikum Soziales Lernen

in Klasse 8

Das „Soziale Lernen“ in dieser Form erweitert die Lebenswelt unserer Schülerinnen und Schüler und fördert ihre Mobilität.
In Kooperation mit Betrieben, Vereinen, Initiativen in ganz Berlin trainieren sie Soziale Fertigkeiten und bauen Soziale Kompetenz auf innerhalb aktueller Problemfelder, die unsere Gesellschaft bewegen (z. B. Armut in Deutschland). So werden sie sensibel für die Fragen unserer Zeit, bauen Verständnis/Empathie auf für Betroffene und setzen sich für sie ein.

Durch ihre Arbeit verändern und verbessern sie die Situation an dem Platz, an dem sie im Moment des Praktikums stehen. Dieses Erlebnis und die Begegnung mit Aktiven, die freiwillig Woche für Woche in unendlicher Geduld und Nächstenliebe gegen Unrecht anarbeiten, wirken noch lange nach.

Mit unserem PSL-Projekt möchten wir dazu beitragen, dass unsere Schülerinnen und Schüler ihr Leben aktiv gestalten, ihre persönliche Aufgabe im Leben annehmen und sich bewusst in eine Kultur des Miteinanders einbringen.

Schülerinnen 8a (Lisa, Hatice, Nursena) mit den Beauftragten des kürzlich eröffneten Ehrenamtsbüros von Tempelhof-Schöneberg im Rathaus Schöneberg, Herrn Enno Skowronnek (Chef) und Frau Christine Fidancan

 „Freiwillig. Etwas bewegen“(EJF 2011) – Europäisches Jahr der Freiwilligentätigkeit 2011

Rund 100 Millionen Europäerinnen und Europäer setzen Zeit und Wissen ein, um sich über private und berufliche Belange hinaus aktiv am Gemeinwesen zu beteiligen. Mit dem Aktionsjahr der Freiwilligentätigkeit will die Europäische Union dieses Engagement in den Vordergrund rücken und unter dem Motto – Freiwillig. Etwas bewegen“ – mehr Menschen zum Mitmachen anstiften. Während des PSL im Jahre 2011 nimmt unsere Schule an dieser Initiative teil und diskutiert mit den Schülern die Tragweite dieses Themas.

Bruder Florian u. Devrim (8a) in der Suppenküche der Franziskaner in Pankow

Bereits im vergangenen Schuljahr leisteten Lehrkräfte und PraktikantInnen gemeinsam Freiwilligeneinsätze in Ausgabestellen für Lebensmittel an Bedürftige. Sie sortierten dort die gespendeten Lebensmittel, besonders Obst und Gemüse, füllten Waschmittel ab in kleinere Portionen, sortierten Kleiderspenden und hatten Kontakt zu anderen Freiwilligen und den Betroffenen.

Das erste und einzige Ehrenamtsbüro in Tempelhof-Schöneberg wurde Ende des vorigen Jahres eröffnet. Damit reagierte der Bezirk konsequent auf die wachsenden Anforderungen an das bürgerschaftliche Engagement und den demografischen Wandel.

Teerunde im Rathaus Schöneberg

Die Beauftragten, Herr Enno Skowronnek und Frau Christine Fidancan, empfingen Anfang Mai 2011 Schülerinnen der Klasse 8a zu einem Informationsbesuch über die Einrichtung und ihre Aufgaben.

Während des PSL durften Hatice, Lisa, Nursena und Rabia diese Einrichtung im Rathaus besuchen. Die Aufregung unserer Schülerinnen legte sich schnell im Gespräch bei einer Tasse Tee in herzlicher und fröhlicher Atmosphäre. Begeistert gaben sie später ihr neues Wissen an ihre MitschülerInnen weiter.

Zu ihrem Erstaunen erfuhren sie, dass es Frauen erst ab 1920 erlaubt ist, Ämter zu übernehmen. Die Ehre eines Amtes wurde früher lediglich Männern mit Wahlrecht zugestanden. Heute tun überwiegend Frauen freiwilligen Dienst für die Gemeinschaft. Ein Ehrenamt auszuüben heißt, freiwillig und mit Freude, ohne finanzielle Vergütung im Rahmen einer Organisation zu arbeiten, es bewirkt eine „gute Tat“.

Das Ehrenamtsbüro erteilte allgemeine Informationen zum Freiwilligendienst, z. B. zum Versicherungsschutz, gab einen Überblick zu den Einsatzmöglichkeiten und stellte Hilfe in Aussicht bei der Suche nach passenden Einsatzfeldern. Hier wird man von Fachleuten beraten. So kann man sich in fast allen Bereichen der Gesellschaft engagieren: in sozialen Einrichtungen, im Umwelt-, Tier- und Naturschutz, im Sportverein oder in der Politik. In Zeiten knapper Kassen könne der Staat allein die anfallenden Aufgaben nicht mehr bewältigen. Bürgerschaftliches Engagement sei dringend erforderlich, um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden.

Einsatz bei “LAIB und SEELE”

Während des Praktikums „Soziales Lernen“ (PSL) arbeiteten Lehrkräfte und die Schülerinnen sowie Schüler der 8. Klassen freiwillig u. a. bei den Ausgabestellen für Lebensmittel an Bedürftige, bei der Aktion „LAIB und SEELE“, verantwortet von der „Berliner Tafel“, den Kirchen und dem Berliner Sender “rbb”. Sie waren tätig in den Bezirken Charlottenburg, Reinickendorf, Tempelhof und Wedding.  Hier lernten sie während dieser Arbeit Freiwillige jeden Alters kennen, die uneigennützig und mit viel Phantasie, Woche für Woche zuverlässig ihren Dienst für die Armen in unserer Stadt tun.

Frau Sabine Werth, die Gründerin der "Berliner Tafel" bei unserem Info-Besuch

An den Ausgabetagen hatten sie Kontakt mit den „Kunden“, wie die Bedürftigen genannt werden. Diese erhalten in ihrem Postleitbezirk einmal in der Woche Nahrungsmittel für einen symbolischen Euro. Das so gesparte Geld von der Rente oder Sozialhilfe kann dann für dringend benötigte Schuhe oder Medikamente ausgegeben werden.

Es entstand eine lebendige Beziehung mit den Menschen vor Ort. Einige Schüler gehen weiterhin nach dem Unterricht dorthin. Freiwillig, um etwas zu bewegen.

Waschpulver wird in kleine Portionen eingeteilt

Was bewirkt die Berliner Tafel?

Als vor 18 Jahren Armut und Obdachlosigkeit in Berlin sichtbarer wurden, übertrug eine Gruppe um die Unternehmerin Sabine Werth das Konzept von New York City Harvest nach Deutschland und gründete die „Berliner Tafel“.

„Das Prinzip ist einfach. Es werden Lebensmittel dort abgeholt, wo sie übrig sind (Supermärkte), und dorthin gebracht, wo sie gebraucht werden (zu den Bedürftigen, zu sozialen Einrichtungen).“ Zitat: nach Berliner Tafel

Heute werden 650 Tonnen Lebensmittel monatlich an 300 Einrichtungen verteilt. Zusätzlich versorgt die „Tafel“ mit ihrer Aktion „LAIB und SEELE“ in 45 Ausgabestellen ca. 45 000 Menschen, die als arm gelten, d. h., sie haben nachweislich als Einzelperson nicht mehr als 900 Euro zur Verfügung.

Insgesamt versorgt die „Berliner Tafel“ monatlich 125 000 Menschen, ein Drittel davon sind Kinder und Jugendliche.

Wir danken der „Berliner Tafel“ und der Aktion „LAIB und SEELE“ für die Kooperation mit unserer Schule, für die lehrreiche Einführung in ihr Arbeitsfeld und die freundliche Aufnahme in den Kreis der Freiwilligen.

PSL-Einsatz bei LAIB und SEELE in Wedding

Jubiläum

Berliner Tafel wird 18

Die Berliner Tafel besteht jetzt 18 Jahre, das muss gefeiert werden, wir gratulieren unserem Kooperationspartner für das Praktikum Soziales Lernen! Weiterhin wünschen wir Erfolg, mögen sich stets hilfreiche Unterstützer finden für diese Idee zur Nachhaltigkeit und für die segensreiche Arbeit an den Bedürftigen in unserer Heimatstadt Berlin! Unsere Schule freut sich auf viele Jahre weiterer Zusammenarbeit und gegenseitiger Unterstützung.

Die Gründerin der Berliner Tafel, Frau Sabine Werth, und unsere Klasse 8a bei der Exkursion zur Vorbereitung des PSL

Wir danken der Gründerin Frau Sabine Werth und den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Berliner Tafel sowie allen Freiwilligen der Ausgabestellen LAIB und SEELE in unseren Partnerbezirken für ihr Entgegenkommen!

Die freundliche Aufnahme unserer Praktikantinnen und Praktikanten nebst LehrerInnen in ihren Arbeitskreis hat unseren Schulalltag bereichert. Gemeinsam retteten wir Lebensmittel vor der Vernichtung, die nicht marktgängig sind, und gaben sie weiter an mittellose Menschen. Der unermüdliche Einsatz der Freiwilligen für Andere und ihre nie aufhören wollende Geduld im Umgang mit den mühselig Beladenen erfüllt uns mit großer Hochachtung, sind uns Vorbild.

Wir begegneten den „Kunden“ der Berliner Tafel im Gespräch und hatten Einblick in gesellschaftliche Prozesse, die kein Lehrbuch gewähren kann. Wir begriffen, dass ein Viertel der Einwohner von Berlin in Armut leben. Und wir lernten in einem Flüchtlingsheim, das regelmäßig von der Berliner Tafel beliefert wird, die Situation von Flüchtlingen aus fernen Ländern kennen, bekamen eine Ahnung von den aktuellen Problemen unserer Welt. Danke, Berliner Tafel!

Klasse 8a im Centre Talma der Berliner Tafel für Bewegung...

... und gesundes Essen, Kinder- und Jugendrestaurant „Talmarant“

Die Klasse 8a wartet auf das Drei-Gänge-Menü für 1 „symbolischen Euro“

Solidarität

Mit LEIB und SEELE

Die Ausgabestelle LAIB und SEELE in der Teichstraße/Reinickendorf verliert ihre Räume.

Mit Optimismus und heißem Tee, die Arbeit geht weiter…!

Der Mietvertrag wurde gekündigt, die Heizung abgeschaltet, die Fenster eingeworfen, trotzdem:

Die Freiwilligen der Ausgabestelle LAIB und SEELE in der Teichstraße halten durch und an ihrer Seite die Praktikantinnen und Praktikanten der Klasse 8b. Sie lernten hier die raue Seite der Freiwilligenarbeit kennen. Bis jetzt ist noch keine Wochenausgabe von Lebensmitteln an Bedürftige ausgefallen, obwohl es bereits bei unserem Einsatz im Oktober furchtbar kalt war.

Wir fordern die Verantwortlichen des Bezirkes Reinickendorf angesichts des nahenden Winters und der Weihnachtszeit auf, unseren Freunden von der Ausgabestelle sofort geeignete Räume zur Verfügung zu stellen. In Reinickendorf gibt es besonders viele Menschen, die Hilfe benötigen.

Unsere Sympathie gehört den Freiwilligen, unsere Solidarität den Bedürftigen.

Haltet weiterhin durch!

„Social Days“

Fairantwortung

Nach den Herbstferien retteten Schülerinnen und Schüler der Praktikumsklassen gemeinsam mit ihren Lehrerinnen und Lehrern Lebensmittel vor dem Abfalltod und verteilten sie an Bedürftige in den Berliner Bezirken.
Dieser Freiwilligeneinsatz mit der Berliner Tafel und der Aktion LAIB und SEELE ist bereits Teil unserer Schulkultur geworden und trägt bei zur „Bildung für nachhaltige Entwicklung“. Hier wird unseren Schülern nachhaltiges Denken und Handeln durch direkte Anleitung und das Vorbild von Umweltaktivisten vermittelt. „Denn wir müssen lernen: was ich heute tue, hat Einfluss auf das Leben meiner Kinder und auf das Leben von Menschen in anderen Weltregionen.“*

Es ist notwendig, dass wir unsere Ess- und Konsumgewohnheiten ändern. Unsere enorme Verschwendung der Ressourcen (Nahrung, Rohstoffe, Energie) und unser hoher Fleischkonsum tragen zur Landknappheit und damit auch zu Hunger in den Entwicklungsländern bei. Etwa ein Drittel aller Lebensmittel werden weltweit nicht gegessen. Sie gehen entweder nach der Ernte verloren oder werden weggeworfen, andererseits hungert etwa 1 Milliarde Menschen. Wenn wir diesen Lebensstil weiterhin pflegen, brauchen wir im Jahre 2050 drei Erden, um die Menschheit ernähren zu können.

„Bildung für nachhaltige Entwicklung gibt uns das Rüstzeug mit, um sinnvolle Entscheidungen für die Zukunft zu treffen und drängende Probleme, wie den Klimawandel, gemeinsam zu lösen.

Wo kaufe ich Kleidung, ohne die Ausbeutung in Asien oder Afrika zu unterstützen?

Wie fördern wir wirtschaftlichen Fortschritt, ohne die Umwelt zu zerstören?

Das sind nur zwei der vielen Fragen, die Bildung für nachhaltige Entwicklung versucht zu beantworten.“*

(*Zitate nach BNE-Portal: „Nachhaltigkeit lernen“, zur Weltdekade der Vereinten Nationen 2005-2014)

11. Berliner Jugendforum

Wir waren dabei

Am Sonnabend, den 26. November 2011 fand im Abgeordnetenhaus Berlin im Rahmen von respectABel das 11. Berliner Jugendforum statt. 

Gepflegtes Wortspiel im Indie-Rap von “The Love Bülow” beendete das 11. Jugendforum. Wir waren erfüllt von diesem Tag, an dem wir unsere Erkenntnisse aus dem „Wille – Workshop“ zum Thema Konflikte in der beeindruckenden Kulisse des Abgeordnetenhauses präsentieren durften. Einblick in die Arbeit anderer Jugendinitiativen, das vielfältige Kulturprogramm mit zahlreichen KünstlerInnen und gutes Essen stimmten uns fröhlich. Es war einfach angenehm, Teil dieser Bewegung zu sein und Demokratie zu erlernen.

PraktikantInnen vor ihrem Auftritt im Abgeordnetenhaus

Das Ereignis begann am Vormittag mit der Übergabe des Hohen Hauses an die Jugend durch den Parlamentspräsidenten Ralf Wieland. Symbolisch wanderte seine Glocke, mit der er während der Sitzungen zur Aufmerksamkeit ruft, in die Hände des jugendlichen Präsidiums und läutete die Regierungszeit des 11. Jugendforums im Abgeordnetenhaus ein, die bis zum Abend währen sollte.

In Diskussionsgruppen mit Politikern zu aktuellen Themen, wie zur Lernqualität an Berliner Schulen oder zu Formen der zeitgemäßen Demokratie mit mehr Beteiligung durch das Netz, konnten wir unsere Meinung einbringen. Die Ergebnisse wurden im Abschlussplenum veröffentlicht. Sie greifen Platz im Arbeitsalltag der Abgeordneten.

Die wunderbaren Fotos sind von Jörg Farys; www.DIEPROJEKTOREN.de Wir danken ihm für die freundliche Genehmigung zur Veröffentlichung.


Weitere Informationen zum Praktikum Soziales Lernen findet Ihr hier.