Latein

„Wer … behauptet, man müsse auf die Mitbürger Rücksicht nehmen, nicht aber auf die Ausländer, der reißt die gemeinsame Verbindung des Menschengeschlechts auseinander.“

Cicero (De officiis III, 27-30)

Latein wird an unserer Schule als dritte Fremdsprache im Wahlpflichtunterricht ab Klasse 9 angeboten. Ziel ist der Erwerb des Latinums mit Ende der zwölften Klasse. Dieses Ziel wird in zwei Schritten erreicht.

Die Spracherwerbsphase (Jahrgangsstufen 9 und 10) wird mit einem Lehrbuch gestaltet. In der neunten Klasse werden vier, in der zehnten Klasse zwei Wochenstunden erteilt.
In der Lektürephase (Jahrgangsstufen 11 und 12), die die ganze Oberstufe umfasst, werden vier Wochenstunden erteilt. Nun werden antike Originaltexte gelesen. Zudem wird eine Exkursion geplant, vorzugsweise nach Rom oder Pompeii.

Da Latein nur im Wahlpflichtbereich angeboten wird, sind die Lerngruppen in der Regel klein. Um den Schülern ausreichend Gelegenheit zu geben, ob sie das Latinum erwerben wollen, gilt die erste Wahl für das neunte und zehnte Schuljahr; bei Wunsch kann Latein dann abgewählt werden, allerdings ohne das Latinum.
Bei Interesse kann auch die dritte, vierte oder fünfte Prüfungskomponente des Abiturs absolviert werden.

Das Latinum wird mit dem erfolgreichen Abschluss des letzten Semesters erteilt. Eine besondere Prüfung ist für das Latinum nicht erforderlich.

Warum Latein an der Schule?

Latein gilt als „tote“ Sprache – warum ist es dennoch interessant, sie zu erlernen?
  • Der erste Grund ist die kulturelle Nachwirkung der griechisch-römischen Antike. Die europäische und die deutsche Kultur knüpfen direkt an die Antike an. In unserer Staats- und Gesellschaftsform, der Demokratie, in Kunst, Literatur und Dichtung, in Malerei, Architektur und Rechtssprechung wirkt das antike Erbe nach. Im gesamten Mittelmeerraum, von Spanien und Italien, Griechenland und die Türkei bis in den Libanon hinterließen Griechen und Römer großartige Bauwerke, die wir alle bewundern. Als einziges Schulfach vermittelt der Lateinunterricht intensive zusammenhängende Kenntnisse und Informationen über die Antike.
  • Der zweite Grund liegt in der Nachwirkung der lateinischen Sprache. Die ganze Familie der romanischen Sprachen ging aus der Muttersprache Latein hervor: Natürlich das Italienische und – man kann es hören – das Rumänische. Französisch, Spanisch und Portugiesisch wurden Weltsprachen; dazu stammen vierzig Prozent des englischen Vokabulars aus dem Latein oder dem Französischen. Natürlich kann man diese Sprachen einzeln erlernen, doch bieten Lateinkenntnisse leichten Zugang zu allen romanischen und auch zum Englischen und damit ein alltagstaugliches sprachliches Orientierungswissen.
  • Der dritte Grund liegt in der systematischen sprachlichen Schulung. Wer Latein lernt, erhält eine intensive grammatische Ausbildung. Da die deutsche Grammatik nach dem Vorbild der lateinischen gestaltet wurde, verbessert Lateinunterricht auch die Sprachkompetenz in der deutschen Sprache. Daher eignet sich Latein auch besonders für Kinder aus Familien mit einer nichtdeutschen Herkunftssprache.

Daher steigen die Zahlen der Schüler, die sich für Lateinunterricht an der Schule entscheiden, seit etwa zehn Jahren bundesweit beständig.

Wird Latein im Studium verlangt?

Einheitliche Regelungen existieren nicht; das wird von den verschiedenen Bundesländern und Universitäten bestimmt und hängt zudem von den verschiedenen Studienfächern und Stufen der Qualifikation ab. An manchen Universitäten wird es für das Medizin-, Jura-, Geschichts- oder im Sprachenstudium verlangt.

An der Universität muss das Latinum außerhalb des Studiums, meist im Grundstudium erworben werden. Daher ist der Erwerb des Latinums an der Universität im Vergleich zum Latinum in der Schule aufwändiger; eine Latinumsprüfung an während des Studiums kann unter Umständen die Studiendauer erhöhen. Überdies muss hierbei beim jeweiligen Landesschulamt eine besondere Prüfung abgelegt werden, die als nachträgliche Erweiterung des Abiturs gilt.

Tote Sprache – quicklebendig: Was bietet der Lateinunterricht?

In der Spracherwerbsphase steht die Sprache im Mittelpunkt. Zunächst lernt man Vokabeln, Grammatik und verschiedene Übersetzungs-techniken kennen. Dabei wird die Methode des Sprachenvergleichs angewendet: Im Vergleich mit Latein vertiefen die Lernenden zugleich ihre Kenntnisse anderer Sprachen, v. a. Deutsch, Englisch, Französisch oder Spanisch.

Dazu wird ein erster Einblick in die antike Kultur geboten: Griechische und römische Mythologie, Alltagsleben in Rom, Familien aus allen sozialen Schichten, römische Religion, Landwirtschaft und Sklaverei, Politik und Armee, Republik und Kaiserreich. Auch werden herausragende Ereignisse behandelt wie etwa der Ausbruch des Vesuv.

In der Oberstufe wird der Sprachunterricht fortgesetzt. Schwerpunkt ist aber die thematische Lektüre zu ausgewählten Themen der römischen Antike. Das erste Semester behandelt Aspekte der römischen Gesellschaft, Familie und Ehe, Recht und Politik. Im zweiten Semester stehen die römische Geschichte, Migrationen und Kulturbegegnungen sowie der römische Blick auf fremde Völker, vor allem auf Gallier und Germanen, im Mittelpunkt. Das dritte Semester beschäftigt sich mit römischer Dichtung; es werden mythologische oder persönliche, auch Liebesgedichte gelesen. Das vierte Semester widmet sich Philosophie und Rhetorik.

Zur Auswahl des Stoffes

Im ersten Semester werden Inschriften, juristische Fach- und auch Sammelautoren wie Plinius d. J. und Aulus Gellius gelesen. Im zweiten Semester stehen die Werke Caesars im Mittelpunkt. Das dritte Semester ist der römischen Dichtung gewidmet, vor allem Vergil und Ovid, das vierte Cicero und Seneca. Je nach Wunsch der Schüler können auch andere Schriftsteller wie Tacitus oder Catull berücksichtigt werden. Weitere Aufmerksamkeit wird der Behandlung und Darstellung der Antike in der Kunst und den Medien.

Was fordert der Lateinunterricht?

Zunächst müssen die Schülerinnen und Schüler ein besonderes Interesse an Sprachen haben. Da die Unterrichtssprache Deutsch ist, prägen sich die Vokabeln und Formeln nicht so leicht wie in gesprochenen Sprachen ein. Daher müssen die Lernenden größere Sorgfalt beim Vokabellernen und Üben verwenden, einzeln, in Partnerarbeit oder in Gruppen. In der Regel macht gerade das Übersetzen den Schülern am meisten Spaß.

Auch ist besonderes Interesse an der Antike von Vorteil. Neben dem Sprachunterricht im engeren Sinne beschäftigen sich die Schüler mit verschiedenen Aspekten der antiken Kultur. Ein Drittel der Gesamtnote basiert auf den Kenntnissen über die römische Kultur.]]>